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Jakobshof Aachen Südstadtkultur e.V. – M1
✲ 04 März 2025
Technische Grundlagen und Forschungsbedarfe der power*stage
Der erste Meilenstein des Jakobshofes beschreibt die wissenschaftlich fundierte Vorbereitung einer zirkulären Festivalbühne, die technische, städtebauliche und soziale Anforderungen zusammenführt.
Ausgangslage und Zielsetzung
Im ersten Arbeitspaket hat der Jakobshof Aachen – Südstadtkultur e.V. seine Festival- und Produktionskompetenz genutzt, um Anforderungen an eine Freiluftbühne der Zukunft systematisch zu erfassen. Ziel war, aus der Praxis heraus belastbare Parameter für eine aus Rotorblättern konstruierte Bühne zu definieren, die sowohl für Kulturveranstaltungen als auch für Forschungs- und Vermittlungsformate geeignet ist.
Technische Bedarfe und Energieprofile
Auf Basis realer Festivalsettings (u.a. KIMIKO Mainstage) wurden durch das technische Fachpersonal des Jakobshofes mehrere Modelle für den Energiebedarf von Bühnenbetrieb mit rund 5.000 Besucherinnen und Besuchern entwickelt. Die Analysen zeigen, dass der Stromverbrauch der Bühnentechnik (Licht, Ton, Video) je nach Szenario im Bereich von ungefähr 300 bis 800 kWh pro Veranstaltungstag liegt und Leistungsspitzen durch Sicherheitsreserven bei der Stromplanung berücksichtigt werden müssen. Daraus resultieren Anforderungen an die elektrische Erschließung der Stage mit etwa 5–6 Anschlusspunkten à 40 kW, an die Integration von Folien-PV (ca. 1.500 m², potenziell rund 110 kWh/Tag) sowie an Speichersysteme und deren brandschutzgerechte Unterbringung außerhalb der Rotorblattstruktur.
Städtebau, Standort und Infrastruktur
Parallel wurden städtebauliche und infrastrukturelle Rahmenbedingungen untersucht, um die Powerblade Stage in unterschiedliche Landschafts- und Stadträume einbetten zu können. Aus den Recherchen zu Festivals in Europa entstand ein Kriterienraster, das u.a. Flächengrößen (ca. 20.000–40.000 m²), bestehende Infrastruktur (Strom, Wasser, Zufahrten), Potenziale für erneuerbare Energien, Erreichbarkeit mit ÖPNV, Fahrradfreundlichkeit und Nutzung postindustrieller Flächen adressiert. Damit wird die Frage „Wann ist ein Festival ein gutes Festival?“ bewusst auf die Schnittstelle von Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Konstruktion erweitert und in belastbare Standort- und Planungskriterien übersetzt.
Soziale und nachhaltige Festivalpraxis
Der Jakobshof hat Beispiele etablierter Festivals (u.a. Rock am Ring, Parookaville) ausgewertet, um technische, ökologische, ökonomische und soziale Indikatoren für nachhaltige Großveranstaltungen zu erfassen. Die Matrix umfasst Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Abfall- und Wassermanagement, Bildungsangebote, Inklusion und Barrierefreiheit sowie Zertifizierungen und Standards und dient als Referenzrahmen für die sozial und ökologisch verträgliche Ausgestaltung der Powerblade Stage. Gleichzeitig wurden interne Kategorien wie Infield-Gestaltung, Sicherheitszonen, Wellenbrecher, Backstage-Anforderungen und Skalierbarkeit auf 5.000–10.000 Personen in Beziehung zu diesen Nachhaltigkeitskriterien gesetzt.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Dissemination
Die Ergebnisse des ersten Meilensteins sind eng mit den Arbeitsgruppen zu Städtebau, Architektur, Energie und Kommunikation verzahnt und wurden in regelmäßigen Konsortialtreffen und über digitale Kollaborationsstrukturen abgestimmt. Mit den Ausstellungen „power*stage prolog #1“ im Ludwig Forum Aachen und „prolog #2“ im Glaskasten der Hochschule Darmstadt sowie der öffentlichen Zwischenpräsentation im Digital HUB Aachen wurden die erarbeiteten Konzepte frühzeitig in einen öffentlichen und fachlichen Diskurs über Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Festivalpraxis und kulturelle Infrastruktur eingebracht.